Verjüngung statt Druck: TSV setzt auf nachhaltigen Neuaufbau

Nach Platz drei in der Saison 2024/25 waren die Erwartungen beim TSV Kaldenkirchen groß. Mit der Verpflichtung von Fabian Wiegers entwickelte sich vor der Saison eine echte Aufbruchsstimmung, die sich zunächst auch auf dem Platz widerspiegelte. Nach einer starken Hinrunde mit 33 Punkten hielt der TSV Anschluss an Spitzenreiter ATS Krefeld und durfte vom Aufstieg träumen. Doch in der zweiten Saisonhälfte folgte der Einbruch. Mit nur noch 14 Punkten nach der Winterpause rutschte der TSV ins Tabellenmittelfeld ab und beendete die Saison mit 47 Zählern auf Rang acht. Für Sportlichen Leiter Michael Bieck war vor allem das enorme Verletzungspech ausschlaggebend. „Bis zum 7:0 gegen ATS Krefeld war eigentlich alles perfekt. Danach ist uns praktisch die komplette Offensive weggebrochen.“

Das war gut in der Saison Vor allem die Hinrunde machte deutlich, welches Potenzial in der Mannschaft steckt. Kaldenkirchen präsentierte sich offensivstark, spielte lange Zeit ganz oben mit und ließ erkennen, dass die ambitionierten Ziele durchaus realistisch waren. Die Mannschaft hatte sich sportlich gut entwickelt und überzeugte mit mutigem Offensivfußball. Bis in den Herbst hinein gehörte der TSV zu den stärksten Mannschaften der Liga und war dem späteren Meister ATS Krefeld dicht auf den Fersen.

Das war nicht gut in der Saison Der Wendepunkt der Saison war die Verletzungsmisere. Mit Steffen Eichler, Lars Heines, Michael Goertz, Jendrik Schwanitz, Noah Gurrath und weiteren Offensivspielern fehlte über Monate nahezu die komplette Angriffsreihe. Nach Einschätzung von Michael Bieck gingen dem TSV dadurch rund 60 der sonst etwa 80 Saisontore verloren. „Sieben absolute Stammkräfte sind uns ein halbes Jahr ausgefallen. Das konnte die Mannschaft nicht kompensieren“, sagt der Sportliche Leiter. Nach dem Trainerwechsel gelang es der Mannschaft nicht mehr, an die starke Hinrunde anzuknüpfen. Unter Interimscoach Kai Otten holte Kaldenkirchen in der Rückrunde lediglich noch 14 Punkte. Für Bieck steht fest: Mit einer weitgehend verletzungsfreien Saison wäre deutlich mehr möglich gewesen.

Spieler der Saison Einen klassischen Spieler der Saison möchte Michael Bieck bewusst nicht küren. „Eigentlich hat sich das keiner verdient“, sagt er. Eine Ausnahme macht er allerdings bei Kevin Kleier. Der 40-Jährige sei mit seiner Einstellung und seinem Einsatz ein absolutes Vorbild. „Er gibt in jedem Training und jedem Spiel Vollgas und läuft seine Kilometer runter. Davor ziehe ich wirklich den Hut“, lobt Bieck den Kaldenkirchener, der dem Verein seit vielen Jahren die Treue hält.

So geht es weiter Mit Andreas Schwan beginnt nun ein neues Kapitel beim TSV Kaldenkirchen. Der neue Trainer soll in Ruhe seine Spielidee entwickeln und gemeinsam mit einer verjüngten Mannschaft einen nachhaltigen Neuaufbau einleiten. Verstärkt wurde der TSV mit Enes Memedov (TV Lobberich), Leo Kirschnick (VfL Willich), Leon Weiss und Nick Thölen (beide ASV Süchteln A-Jugend) und Ben-Oliver Boeken (Union Nettetal). Demgegenüber stehen die schmerzhaften Abgänge von Torjäger Lars Heines und Philipp Wiegers zum VfR Fischeln sowie die Wechsel von Janis Ungerer und Co-Trainer Jörg Ungerer zur DJK Fortuna Dilkrath. Auch Interimscoach Kai Otten schloss sich dem VfR Fischeln an.

Die Vorbereitung läuft bereits. Die ersten beiden Testspiele gingen zwar mit 0:3 gegen den VfL Tönisberg und 1:2 gegen den KTSV Preußen Krefeld verloren, weitere Partien gegen den SC St. Tönis II und Grün-Weiß Vernum stehen noch an. Ergebnisse spielen derzeit jedoch eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist es, dass Andreas Schwan seine Spielidee vermittelt und die vielen jungen Spieler integriert. Große Zielvorgaben gibt es bewusst nicht. „Wir wollen die Saison ruhig angehen und der Mannschaft Zeit geben, sich zu entwickeln. Wenn wir am Ende unter den ersten fünf oder sechs Mannschaften landen, wäre das für uns eine erfolgreiche Saison. Langfristig wollen wir wieder in die Bezirksliga zurück – aber nachhaltig und nicht mit aller Gewalt“, sagt Michael Bieck.

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