Fotos: Heiko van der Velden
Einst galt Sinan Kurt als eines der größten deutschen Fußballtalente seiner Generation. Als Jugendspieler von Borussia Mönchengladbach sorgte der Offensivspieler für Aufsehen, später wechselte er zum FC Bayern München. Heute ist der 30-Jährige im Amateurfußball angekommen. Nach Stationen unter anderem bei der Holzheimer SG und zuletzt dem MSV Düsseldorf trägt Kurt in dieser Saison das Trikot des 1. FC Viersen in der Kreisliga A. Parallel hat Kurt seine eigene Fußballschule gegründet, in der er unter anderem Individual- und Gruppentraining für Kinder und Jugendliche anbietet.
Dass es Kurt nach Viersen verschlagen hat, ist vor allem auf bereits bestehende Kontakte zurückzuführen. „Kevin Weggen kenne ich ja auch schon seit Jahren. Mit Stephan Houben habe ich damals auch in Straelen zusammengearbeitet“, erzählt Kurt. Houben war beim SV Straelen seinerzeit als Sportlicher Leiter tätig, Weggen spielte gemeinsam mit Kurt beim damaligen Regionalligisten.
Hinzu kommt ein ganz praktischer Grund: Kurt ist inzwischen wieder in Mönchengladbach zu Hause. „Dadurch, dass ich jetzt wieder hier in Gladbach bin, ist es auch von der Strecke her nicht weit“, sagt er. In der vergangenen Saison spielte der Offensivspieler noch beim MSV Düsseldorf. Der Wechsel nach Viersen verkürzt nun die Wege erheblich.
Auch Drilon Istrefi spielte bei der Entscheidung eine Rolle. Mit ihm stand Kurt zuletzt beim MSV Düsseldorf auf dem Platz. „Wir wollten auf jeden Fall noch weiter zusammenspielen“, sagt Kurt. Zudem kennt er weitere Akteure im Viersener Kader.
Mit Viersen wieder nach vorne
Der 1. FC Viersen musste nach dem Abstieg einen Umbruch bewältigen. Für Kurt ist das eine zusätzliche Motivation. „Da will man natürlich jetzt schon auch etwas dazu beitragen, dass es wieder in die andere Richtung geht“, sagt der 30-Jährige.
Der Auftakt ist mit einem 6:1-Erfolg beim SC Viersen-Rahser bereits gelungen. Eine Sonderrolle möchte Kurt dennoch nicht einnehmen. Dass Gegner gegen einen Spieler mit seiner Vergangenheit besonders motiviert zu Werke gehen, sei normal. Entscheidend ist für ihn ohnehin nicht, in welcher Liga er spielt.
„Ob ich jetzt Kreisliga, Bezirksliga, Landesliga oder was auch immer spiele, ist gar nicht das Wichtige für mich“, betont Kurt. Vielmehr gehe es darum, mit Freunden und früheren Weggefährten Fußball zu spielen. „Das Wichtige ist, dass ich mit meinen Kollegen, mit meinen Freunden zusammen zocke, eine schöne Zeit habe und es Spaß macht.“
Den Ehrgeiz hat Kurt trotz des Wechsels in den Amateurfußball nicht verloren. „Wir wollen natürlich jedes Spiel gewinnen. Das ist klar. Aber unter Freunden macht es einfach Bock.“
Fußballschule mit eigener Philosophie
Parallel zu seiner neuen Aufgabe beim 1. FC Viersen hat Kurt gemeinsam mit Jan Francus eine eigene Fußballschule gegründet. Während Kurt für den sportlichen Bereich verantwortlich ist und selbst die Einheiten leitet, übernimmt Francus die organisatorischen Aufgaben.
Die Arbeit mit Kindern ist für Kurt eine neue Erfahrung, die ihm viel Freude bereitet. „Ich sehe da sehr viel Spaß drin, mit Kindern etwas zu machen und ihnen etwas weiterzugeben, was ich auch in meiner Karriere erlebt habe“, sagt er.
Besonders die Lernbereitschaft der Nachwuchsspieler begeistert ihn. „Kinder sind sehr ehrgeizig und wollen richtig lernen. Sie sind wie ein Schwamm und ziehen alles auf.“
Im Mittelpunkt stehen zunächst Einzel-, Zweier- und Vierertrainings. Später sollen Gruppeneinheiten und Fußballcamps hinzukommen. Bei Gruppentrainings soll die Zahl auf maximal zwölf Kinder begrenzt werden. „Wir wollen nicht mehr als zwölf Kinder haben, damit man wirklich auf den Einzelnen eingehen kann“, erklärt Kurt.
Gerade die individuelle Betreuung ist für ihn wichtig. Das Training soll auf die jeweiligen Stärken, Schwächen und Positionen abgestimmt werden. Ein Verteidiger benötigt schließlich andere Inhalte als ein Mittelfeldspieler oder Stürmer.
Die ersten Trainingseinheiten hat er bereits absolviert. Die Fußballschule soll zudem über die Grenzen von Mönchengladbach und Viersen hinaus wachsen. Weitere Standorte in der Region sind bereits geplant, damit auch Kinder und Jugendliche aus anderen Städten die Möglichkeit bekommen, das Trainingsangebot zu nutzen. Ergänzt werden soll das Angebot künftig zudem durch Fußballcamps, bei denen die Teilnehmer ebenfalls von Kurts Erfahrungen und seinem individuellen Trainingsansatz profitieren können.
Damit verfolgt Kurt künftig zwei Ziele: Beim 1. FC Viersen möchte er seinen Teil dazu beitragen, dass der Klub nach dem Abstieg wieder auf die Beine kommt. Gleichzeitig will er in seiner Fußballschule seine Erfahrungen aus dem Leistungssport an die nächste Generation weitergeben. Für den ehemaligen Junioren-Nationalspieler beginnt damit ein neues Kapitel – auf und neben dem Fußballplatz.

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