Archivfoto: Heiko van der Velden
Für den 1. FC Viersen steht am Sonntag das wohl wichtigste Spiel der vergangenen Jahre an. Nach der 0:1-Niederlage im Hinspiel der Abstiegsrelegation bei der SG Hackenberg muss die Mannschaft von Trainer Stephan Houben im Rückspiel am Hohen Busch gewinnen, um den Verbleib in der Bezirksliga weiterhin in der eigenen Hand zu haben. Andernfalls droht der schmerzhafte Absturz in die Kreisliga A.
Die Ausgangslage ist dabei klar definiert: Gewinnt Viersen mit einem Tor Unterschied, geht die Relegation in die Verlängerung. Ein 1:0, 2:1 oder 3:2 würde also nicht unmittelbar zum Klassenerhalt reichen. Da in der Relegation weder das Torverhältnis noch Auswärtstore zählen, würde in diesem Fall zunächst eine halbe Stunde Verlängerung folgen, ehe gegebenenfalls ein Elfmeterschießen über die Ligazugehörigkeit entscheidet. Erst ein Sieg mit mindestens zwei Toren Differenz würde den direkten Klassenerhalt bedeuten.
Dass die Viersener überhaupt in diese Lage geraten sind, erschien nach dem Hinspiel für viele Beobachter kaum nachvollziehbar. Über weite Strecken kontrollierte Viersen die Begegnung, hatte mehr Ballbesitz und erspielte sich die besseren Möglichkeiten. Bereits nach zehn Minuten hatte Luca Heise die Führung auf dem Fuß, als er nach einem starken Pass von Kevin Weggen frei vor dem Tor auftauchte, den Ball jedoch knapp über die Latte setzte. Wenig später scheiterte Peter Okafor nach einer sehenswerten Kombination am Hackenberger Schlussmann. Auch Standardspezialist Weggen hatte zweimal Pech, als seine Freistöße nur Zentimeter am Tor vorbeistrichen.
„Wenn du so viel Ballbesitz hast wie wir, dann musst du das Spiel gewinnen“, sagte Trainer Stephan Houben nach der Partie. Seine Enttäuschung war deutlich spürbar, denn erneut wurde die mangelnde Chancenverwertung zum entscheidenden Faktor.
Nach einer ereignisarmen ersten Halbzeit nutzte Hackenberg seine erste wirklich gefährliche Aktion konsequent aus. Edward Yamoah wurde mit einem langen Ball in die Tiefe geschickt und legte von der Grundlinie zurück auf Leon Sierant. Der Angreifer traf aus rund 16 Metern ins linke Eck und erzielte in der 54. Minute das Tor des Tages. Für Viersen war es ein weiterer Rückschlag in einer Saison, in der die Mannschaft immer wieder an ihrer Effizienz vor dem gegnerischen Tor verzweifelte.
Houben sprach nach dem Spiel von einer Entwicklung, die sich durch die gesamte Rückrunde ziehe. Bis vor wenigen Wochen habe seine Mannschaft bereits 17 Pfosten- und Lattentreffer verzeichnet. „Drei beste Möglichkeiten nicht verwertet, ein langer Ball, zack, 0:1. Irgendwann denkst du, das muss doch mal aufhören. Aber es geht einfach nahtlos weiter“, erklärte der Coach.
Dabei macht der erfahrene Trainer seinen Spielern nicht einmal einen grundsätzlichen Vorwurf. Vielmehr sieht er die fehlende Konsequenz im Abschluss als Hauptursache für die schwierige Situation.
Trotz der bitteren Niederlage strahlte Houben auch Zuversicht aus. Die Mannschaft habe weiterhin alle Möglichkeiten, die Klasse aus eigener Kraft zu halten. Entscheidend werde sein, die Leistung aus dem Hinspiel über 90 Minuten auf den Platz zu bringen und diesmal die Chancen konsequent zu nutzen.
Für den Trainer wäre ein Abstieg nur schwer zu erklären. „Es wäre tatsächlich in meinen 30 Jahren als Trainer der unnötigste Abstieg, den ich jemals erlebt habe“, sagte Houben. Zwar habe es auch in dieser Saison einige Spiele gegeben, die seine Mannschaft verdient verloren habe. Insgesamt sei die Anzahl der vergebenen Chancen jedoch ein entscheidender Faktor gewesen. „Wenn nur die Hälfte unserer Torchancen reingeht, hätten wir heute nicht in Hackenberg spielen müssen.“
Nun zählt jedoch nicht mehr die Vergangenheit. Am Sonntag geht es einzig und allein um die letzten 90 Minuten der Saison – möglicherweise auch um 120 Minuten oder ein Elfmeterschießen.
Houben bringt die Situation auf den Punkt: „Danach ist Urlaub, egal wie er ausfällt. Da gibt es keine Ausreden mehr. Da gibt es nur ein offenes Visier, Kopf hoch, Brust raus und dann geht es in die eine oder andere Richtung.“
Für den 1. FC Viersen ist die Rechnung einfach: Gewinnen oder absteigen. Noch einmal alles investieren, noch einmal alles riskieren – und dann soll am Hohen Busch der Klassenerhalt gefeiert werden.
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