Foto: Nierse Haie
Wer nach längerer Zeit wieder Fußball spielen möchte, hat es oft nicht leicht. Besonders Menschen mit Übergewicht fühlen sich im klassischen Amateurfußball häufig fehl am Platz oder trauen sich den Wiedereinstieg nicht mehr zu. Genau hier setzen die Nierser Haie an. Die neu gegründete Mannschaft aus Oedt möchte Menschen zurück in Bewegung bringen – und zurück auf den Fußballplatz.
Die Mannschaft tritt in der Übergewichtigen Fußball Liga NRW (ÜFL) an und richtet sich gezielt an Menschen mit Adipositas oder starkem Übergewicht. Initiator Robin Pöhling kennt die Herausforderungen vieler Interessenten aus eigener Erfahrung.
„Ich selbst war lange verletzt und habe dadurch zugenommen. In der Kreisliga Fuß zu fassen mit einem hohen Gewicht ist relativ schwierig“, sagt Pöhling. „Wir wollen die Leute wieder an den Sport heranführen, sie motivieren, von der Couch herunterzukommen und wieder fitter zu werden.“
Die Idee stößt offenbar auf Interesse. Obwohl die Mannschaft erst vor wenigen Wochen gegründet wurde, gehören bereits 13 Spieler zum Kader. Trainiert und gespielt wird auf der Sportanlage von Borussia Oedt, das das Projekt unterstützt und die notwendige Infrastruktur zur Verfügung stellt.
Dabei versteht sich die ÜFL nicht als Alternative zum regulären Amateurfußball, sondern vielmehr als Einstieg. Wer in der Liga spielen möchte, benötigt bei der Anmeldung einen Body-Mass-Index (BMI) von mindestens 31. Während der Mitgliedschaft dürfen die Spieler jedoch Gewicht verlieren, ohne sofort ihre Spielberechtigung zu verlieren. Erst wenn der BMI dauerhaft unter 28 sinkt, endet die Teilnahmeberechtigung. Zudem dürfen die Vereine eine begrenzte Anzahl von Spielern mit einem BMI zwischen 28 und 31 im Kader führen.
„Das ist genau der Sinn der Sache“, sagt Pöhling. „Wir wollen die Leute fit machen. Wenn jemand irgendwann nicht mehr bei uns spielen darf, weil er deutlich abgenommen hat, dann haben wir unser Ziel erreicht.“
Auf dem Platz unterscheidet sich die ÜFL weniger vom klassischen Fußball, als viele vermuten. Gespielt wird mit sechs Feldspielern und einem Torwart auf einem halben Spielfeld. Die Spielzeit beträgt zweimal 35 Minuten, die Tore entsprechen der Größe von Jugendtoren. Ansonsten gelten die bekannten Fußballregeln mit Einwürfen, Ecken, Abseits und offiziellen Schiedsrichtern.
Auch im Training gibt es kaum Unterschiede zu einer gewöhnlichen Amateurmannschaft. Aufwärmen, Passübungen, Spielformen und Torabschlüsse gehören regelmäßig zum Programm.
„Eigentlich trainieren wir wie jede andere Mannschaft auch“, erklärt Pöhling. „Das Tempo ist vielleicht etwas geringer, aber ansonsten gibt es keine großen Unterschiede.“
Die Nierser Haie sind Teil einer wachsenden Liga mit Mannschaften aus verschiedenen Regionen Nordrhein-Westfalens. Die Auswärtsfahrten führen dabei deutlich weiter als im klassischen Kreisligafußball. Gerade dieser Austausch mit anderen Teams macht für viele Spieler einen besonderen Reiz aus.
Für die Beteiligten stehen sportliche Ergebnisse zunächst nicht im Vordergrund. Viel wichtiger sind Gemeinschaft, Bewegung und die Freude am Fußball.
„Viele hätten ohne dieses Angebot wahrscheinlich gar nicht mehr mit Fußball angefangen“, sagt Pöhling. „Genau dafür sind wir da.“
Die erste Gelegenheit, sich auf dem Platz zu präsentieren, könnte bereits im Juli folgen. Dann möchten die Nierser Haie bei einem Turnier erstmals gegen andere Mannschaften antreten. Bis dahin hoffen die Verantwortlichen, weitere Mitspieler für das Projekt begeistern zu können.
Die Botschaft der Nierser Haie ist dabei klar: Fußball soll kein Sport nur für die Schlanken sein. Das Projekt möchte Menschen den Weg zurück auf den Platz erleichtern – unabhängig davon, wie lange sie dem Sport ferngeblieben sind.
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