Interview mit „Pommes“ Claeren: Mit 35 noch torhungrig

Foto: Tim Wilke

Zehn Spiele, sechs Tore und vier Vorlagen: Christopher Claeren gehört beim SSV Grefrath zu den auffälligsten Spielern der bisherigen Bezirksliga-Saison. Der 35-jährige Offensivspieler bringt jede Menge Erfahrung mit und zeigt, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Im Interview mit Amafuma.de erzählt er, wie er zu seinem Spitznamen „Pommes“ gekommen ist, warum ihn jüngere Mitspieler zusätzlich antreiben und wie lange er noch auf dem Platz stehen möchte.

Christopher, die meisten kennen dich unter deinem Spitznamen „Pommes“. Wie ist der eigentlich entstanden?

Der Name stammt noch aus meiner Jugend. Damals bin ich in der B-Jugend zum TSF Bracht gewechselt. Beim ersten Training ging es darum, die neuen Mitspieler kennenzulernen. Dabei gab es tatsächlich eine Rangelei zwischen einem Mitspieler und mir, die etwas aus dem Ruder gelaufen ist. Der hat mich dann als „Du Scheiß-Pommes“ beleidigt. Seitdem habe ich den Namen weg. Mittlerweile kennt mich gefühlt der ganze Kreis so. Beim Fußball höre ich eigentlich nur noch auf Pommes und gar nicht mehr auf meinen richtigen Namen. (lacht)

Zum Ende der vergangenen Saison hast du dich verletzt. Was ist passiert?

Ich habe gegen Kaldenkirchen bei der Zweiten ausgeholfen und bin unglücklich auf meine Hand gefallen. Dabei habe ich mir das Kahnbein gebrochen und musste sechs Wochen pausieren. Immerhin konnte ich für die Jungs noch das Siegtor erzielen. Ich helfe der zweiten Mannschaft gerne aus und würde das jederzeit wieder machen.

Zehn Spiele, sechs Tore und vier Vorlagen – deine Bilanz beim SSV Grefrath kann sich sehen lassen. Mit 35 Jahren bist du in der Bezirksliga weiterhin ein wichtiger Faktor für deine Mannschaft. Wie erklärst du dir deinen guten Lauf?

Ich würde sagen, dass ich momentan einfach einen kleinen Lauf habe. Den nehme ich natürlich gerne mit – sowohl für mich persönlich als auch für die Mannschaft.

Wie schaffst du es, dich Woche für Woche an deine Grenzen zu bringen? Schließlich spielst du schon seit vielen Jahren Fußball.

Das ist eine gute Frage. Ich glaube, es ist einfach die Liebe zum Fußball. Ich spiele seit 32 Jahren und die Begeisterung ist nie weniger geworden. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich immer noch alles gebe.

Natürlich merkt man das irgendwann auch körperlich. Mein linkes Knie ist nach einem Kreuzband- und Meniskusschaden wieder sehr gut verheilt. Im rechten Knie spiele ich aktuell ohne Kreuzband, weil es gerissen ist. Mit ausreichend Muskelkraft im Bein bekomme ich das aber ganz gut hin. Ein bisschen lädiert ist mein Körper schon. (lacht)

Wie setzt du dich gegen jüngere Spieler durch? Ist es vor allem die Erfahrung, oder spielen auch andere Dinge eine Rolle?

Ich denke, es ist eine Mischung. Ich habe über die Jahre viel Erfahrung gesammelt, die jüngere Spieler natürlich noch nicht haben. Gleichzeitig motivieren sie mich auch. Wenn ein junger Mitspieler richtig was draufhat, will ich mich davon anstacheln lassen.

Wir haben beispielsweise Luis Neber bei uns. Ein top Junge, aber auch ein großes Maul. (lacht) Er versucht immer, mich mit seiner großen Klappe ein bisschen zu ärgern. Das motiviert mich zusätzlich, ihm zu zeigen, dass er sich mit mir nicht alles erlauben kann. Wir pushen uns dadurch am Ende gegenseitig.

Was sind deine Stärken auf dem Platz?

Ich kann eigentlich auf fast jeder Position spielen. Das macht mich für den Trainer flexibel und für den Gegner vielleicht auch ein bisschen unberechenbar. Ich gehe hart in die Zweikämpfe und würde sagen, dass ich extrem kopfballstark bin. Und manchmal weiß ich auch noch, wo das Tor steht. (lacht) Ich denke, das ist eine ganz gute Mischung.

Was hast du dir für diese Saison persönlich vorgenommen? Und was möchtest du mit dem SSV Grefrath erreichen?

Persönlich möchte ich meine beste Saison für den SSV spielen und noch einmal zeigen, was ich draufhabe – mit Toren und Vorlagen.

Mit der Mannschaft wollen wir einen guten Tabellenplatz erreichen und möglichst nichts mit der Gefahrenzone zu tun haben. Der Start war etwas holprig, aber ich glaube, wir sind auf einem guten Weg. Wir haben gute Jungs in der Mannschaft, die mir auch dabei helfen, momentan so zu performen.

Du bist inzwischen 35 Jahre alt. Hast du dir schon Gedanken gemacht, wie lange du noch spielen möchtest?

Ich höre da inzwischen sehr auf meinen Körper. Ich wollte schon ein paarmal aufhören, habe dann aber doch immer weitergemacht. Wenn ich sonntags 90 Minuten spiele, merke ich mittlerweile schon, dass mein Körper etwas länger braucht, um wieder aufzutanken.

Auch meine Familie und vor allem meine Frau wünschen sich natürlich, dass ich langsam etwas zur Ruhe komme. Vielleicht ist es meine letzte Saison in der Bezirksliga. Ich könnte mir auch vorstellen, irgendwann eine Klasse tiefer in der Kreisliga zu spielen, wo man es etwas ruhiger angehen lassen kann. Das ist überhaupt nicht abwertend gemeint. Ich muss einfach schauen, was mein Körper noch mitmacht.

Pommes, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg mit dem SSV Grefrath!

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