Cheftrainer Roland Vrabec will zurück in den deutschen Fußball

IMAGO / Zink

Zuletzt gewann der ehemalige Trainer des FC St. Pauli den litauischen Pokal und sammelte umfassende internationale Erfahrungen. Geprägt haben ihn dabei unter anderem Jürgen Klopp und Thomas Tuchel.

Roland Vrabec hat im europäischen Fußball zahlreiche Stationen durchlaufen. Deutschland, die Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg, Dänemark und zuletzt Litauen.

Der 52-Jährige kennt unterschiedliche Fußballkulturen und Arbeitsweisen. Nun möchte der Fußballlehrer mit UEFA-Pro-Lizenz wieder in Deutschland arbeiten. Dabei hat er durchaus realistische Vorstellungen, wo sein Weg beginnen könnte.

„Deutschland wäre schon mein Hauptziel“, sagt Vrabec. Nach Jahren im Ausland sei es für ihn reizvoll, wieder in der Heimat zu arbeiten und im Berufsalltag Deutsch statt überwiegend Englisch zu sprechen. Auch die Rahmenbedingungen im deutschen Fußball schätzt er: die Zuschauerzahlen, die mediale Aufmerksamkeit, die professionellen Strukturen und die Qualität der Spieler. „Wenn du da mal raus bist aus Deutschland, dann lernst du es auch wieder schätzen“, erklärt er.

Seine letzte längere Station in Deutschland liegt bereits einige Jahre zurück. Beim FC St. Pauli übernahm Vrabec im November 2013 zunächst interimsweise die Verantwortung und wurde anschließend Cheftrainer. In der Zweiten Bundesliga betreute er die Hamburger bis September 2014. Zuvor hatte er dort als Co-Trainer gearbeitet. Seine letzte deutsche Trainerstation war der FSV Frankfurt in der Saison 2016/17. Ein kurzes Engagement beim Greifswalder FC in der Regionalliga Nordost im Frühjahr 2023 blieb eine Episode.

Vrabec weiß deshalb, dass eine Rückkehr nicht automatisch auf dem Niveau seiner früheren Aufgaben beginnen muss. „Natürlich würde ich gerne auf dem Level wieder arbeiten wollen“, sagt er mit Blick auf die zweite oder dritte Liga. Gleichzeitig verweist er auf die starke Konkurrenz auf dem deutschen Trainermarkt. Auch erfahrene Kollegen seien inzwischen in der Regionalliga tätig. Deshalb hält er diesen Bereich für einen realistischen Einstieg, um sich erneut für höhere Aufgaben zu empfehlen.

Pokalsiege und europäische Nächte

Dass Vrabec auch international Erfolge vorweisen kann, zeigte sich besonders in den vergangenen Jahren. Mit dem FK Panevėžys gewann er 2025 den litauischen Pokal – ein Triumph, der für ihn einen besonderen Stellenwert besitzt. „Das war schon für mich persönlich ein sehr großer Erfolg, weil es einfach unvorhersehbar war“, sagt er. Der Klub habe vor der Saison nicht zu den großen Favoriten gehört. Umso höher bewertet Vrabec den Titelgewinn.

Auch beim FC Vaduz sammelte er Erfolge. Mit dem liechtensteinischen Klub gewann er 2017 und 2018 den nationalen Pokal. Bei Progrès Niederkorn führte er die Mannschaft in seiner ersten Saison auf den zweiten Platz der luxemburgischen Liga. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm zudem die internationalen Qualifikationsspiele. Mit Niederkorn trat er unter anderem bei den Glasgow Rangers im Ibrox Stadium an, damals mit Steven Gerrard als Trainer. Insgesamt bezeichnet Vrabec die 16 Europapokal-Qualifikationsspiele, die er als Trainer erlebt hat, als besondere Höhepunkte seiner Laufbahn.

Wie Jürgen Klopp seinen Weg beeinflusste

Ein wichtiger Abschnitt in Vrabecs Karriere begann bereits im Nachwuchsfußball. Beim FSV Frankfurt trainierte er den Sohn von Jürgen Klopp. Der damalige Mainzer Trainer verfolgte die Entwicklung seines Sohnes aufmerksam und bekam dadurch auch Vrabecs Arbeit mit. Schließlich wechselte der Frankfurter 2007 in den Nachwuchsbereich des 1. FSV Mainz 05.

„Er hat schon Einfluss gehabt mit seiner Art des Fußballs“, sagt Vrabec über Klopp. In Mainz erlebte er unmittelbar, wie stark Pressing, Gegenpressing und schnelles Umschalten die Spielidee prägten. Diese Prinzipien hätten ihn eund zahlreiche andere Trainer nachhaltig beeinflusst.

Weitere wichtige Impulse erhielt Vrabec später von Thomas Tuchel. In dessen erster Saison bei den Mainzer Profis arbeitete er als Co-Trainer mit dem Schwerpunkt Gegneranalyse und -vorbereitung. Besonders beeindruckt habe ihn, wie konsequent Tuchel die Trainingsarbeit auf die Anforderungen des nächsten Spiels ausrichtete. Aus diesen Erfahrungen entwickelte Vrabec seine eigene Vorstellung von Fußball.

Ballbesitz und aktive Spielgestaltung

Wenn er sich seine Mannschaft frei zusammenstellen könnte, würde Vrabec gerne einen dominanten Spielstil verfolgen. Seine Teams sollen den Ball haben, das Spiel kontrollieren und regelmäßig Torchancen herausspielen. Dabei gehe es ihm nicht um Ballbesitz um seiner selbst willen, sondern darum, aus der Kontrolle auch Torgefahr zu entwickeln. Bei mehreren seiner Stationen hätten seine Mannschaften zu den Teams mit den meisten Abschlüssen und kreierten Chancen gehört.

Seinen Weg zum Profifußball beschreibt Vrabec auch deshalb mit einigem Stolz, weil er selbst nie Profi war. Er beendete seine aktive Laufbahn mit 26 Jahren, studierte Sportwissenschaften und widmete sich anschließend ganz der Trainertätigkeit. Schon früh arbeitete er im Nachwuchsbereich, ehe er über Mainz und den Deutschen Fußball-Bund den Sprung in den Profibereich schaffte. Dort betreute er später Mannschaften in der zweiten und dritten Liga sowie im Ausland.

Aktuell lebt Vrabec in Esbjerg in Dänemark und pendelt regelmäßig nach Frankfurt, wo seine Kinder wohnen. Eine Rückkehr in den deutschen Fußball wäre für ihn deshalb nicht nur sportlich reizvoll, sondern würde auch die Wege verkürzen. Auf ein konkretes Angebot wartet er bislang. Die Motivation ist jedoch vorhanden: „Ich hoffe, dass ich demnächst wieder auf dem Platz stehen kann. Es brennt wieder“, sagt der 52-Jährige.

Seine Wunschrichtung ist klar: Deutschland. Zugleich will Vrabec offen für andere Möglichkeiten bleiben. Entscheidend sei am Ende, dass die Aufgabe passe und er seine Vorstellungen vom Fußball umsetzen könne. Nach Stationen in mehreren Ländern Europas würde er gerne wieder in der Heimat zeigen, was er als Trainer zu bieten hat.

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