Regionalliga Frauenteams setzen Zeichen

60 Sekunden lang ruhte der Ball. Foto: FV Mönchengladbach

Fussballinteressierte haben sicher noch die stimmungsvollen Bilder der letztjährigen Europameisterschaft der Frauen im Kopf. Die Deutsche Nationalmannschaft begeisterte Millionen an den Bildschirmen. Die emotionalen Momente bleiben unvergesslich. Da fragt man sich heute, was ist davon geblieben bzw. was hat das beeindruckende Auftreten der Nationalmannschaft im Nachgang bewirkt? Blickt man auf die Spitze des Frauenfußballs kann man sicherlich von einem gewissen Hype sprechen. Gerade erst fand im ausverkauften Kölner Stadion das Pokalfinale statt. In der Liga brachen Events in den großen Arenen ein ums andere Mal Rekorde. Die Vorfreude auf die im Sommer anstehende Weltmeisterschaft ist auch schon ein wenig spürbar.

Doch wie sieht es auf den Ebenen unterhalb der Bundesliga aus? Man hat den Eindruck, die Schere geht mehr und mehr auseinander. Wahrnehmung und vor allem Wertschätzung für den Frauenfußball findet man in der Breite eher selten. Nimmt man die Regionalliga West der Frauen, immerhin die dritthöchste Spielklasse als Beispiel, so können die Rahmenbedingungen und Perspektiven der Mannschaften kaum unterschiedlicher sein.Berghofen strich bereits während der laufenden Saison die Segel und zog zurück. Borussia Bocholts Frauen wurde die Möglichkeit in die 2.Liga zurückkehren vereinsintern verwehrt. Der Klub meldete in aussichtsreicher Position an der Tabellenspitze nicht für die 2.Liga. Konsequenz, die Mannschaft verspielte nicht nur die schon fast sichere Meisterschaft, sondern fiel zum Ende der Saison komplett auseinander und der Verein zog letztlich sogar das Team ganz aus der Regionalliga zurück. Offensichtlich hatte die Frauenabteilung nicht die nötige Lobby im Klub. Dieses Phänomen erkennt man bei vielen Klubs in der Liga. Gerade bei den Vereinen, deren Männer hochklassig unterwegs sind, haben die Frauenabteilungen einen schweren Stand.

Ob es um Trainingsbedingungen geht oder einfach um die Tatsache anerkannt und wertgeschätzt zu sein. Auch Misserfolg im Männerbereich und prekäre finanzielle Probleme der Vereine treffen eher die Frauen im Klub. Betroffen u.a. die Frauen- und Mädchenabteilung von Fortuna Köln.

Bei deren Abteilungsleiterin Valentina Adames war das Fass zum Überlaufen gekommen. Offensichtlich wurden die weiblichen Teams dort nicht so anerkannt und unterstützt wie sie es verdient hätten. So sah sich Adames gezwungen ein Zeichen zu setzen und kontaktierte die Klubs der Regionalliga. In Abstimmung der Teams sollten die Spielerinnen am letzten Spieltag nach Anpfiff der Paarungen das Spiel für eine Minute aussetzen um eine entsprechende Aufmerksamkeit zu erwirken. So verharten u.a. beim Spiel FV Mönchengladbach gegen die Sportfreunde Siegen alle Akteure nach Anpfiff in ihrer Position auf dem Spielfeld und stellten das Spielen für 60 Sekunden ein. Auch auf anderen Plätzen folgte man dem Aufruf. Nun mehr bleibt im Nachgang abzuwarten was die Aktion bewirken wird. Jedenfalls sind die Medien, u.a. der WDR auf die Problematik aufmerksam geworden.

Doch nicht überall müssen Frauenfußballerinnen um Akzeptanz und Respekt kämpfen. Paradebeispiel, die Frauen des FV Mönchengladbach, die in puncto Wahrnehmung und Anerkennung schon viel positives erfahren haben.

Das kann auch Trainer Marco Ketelaer bestätigen: „Jedem ist ja die Vorgeschichte unseres Vereins bekannt. Die damalige Frauen- und Mädchenabteilung wurde quasi beim 1.FC Mönchengladbach vor die Türe gesetzt. Trotz medialer Berichterstattung und einer initiierten Petition blieb es beim Aus. Am Ende hatte es aber auch ein Gutes, denn die Betroffenen gründeten den FV Mönchengladbach, einen reinen Frauen- und Mädchenverein. Von Anfang an erfuhr der Klub eine enorme Wahrnehmung und Wertschätzung. Die Stadt Mönchengladbach stellte mit dem neu gebauten Campuspark top Rahmenbedingungen für die Mannschaften des Klubs und mit dem Rheydter Spielverein, der ebenfalls die Trainings- und Spielstätte benutzt, besteht ein bemerkenswertes Miteinander, das sich im gegenseitigen Respekt und einer Akzeptanz widerspiegelt. Auch bei der Zuschauerresonanz haben wir mit den Jahren seit Bestehen des Vereins zugelegt.

Dazu wird der Klub medial regelmäßig in Szene gesetzt. Allerdings muss man natürlich kontinuierlich an der Entwicklung weiterarbeiten. Es ist bedauerlich, wenn andere Frauenteams nicht eine solche Wertschätzung erfahren. Selbstverständlich solidarisieren wir uns aus eigener leidvoller Erfahrung mit den betroffenen Mannschaften, die nicht so tolle Bedingungen und Unterstützung haben wie wir. Vielleicht bewirkt die Aktion letztenendes, dass alle Spielerinnen, egal in welcher Liga oder welchem Klub den nötigen Respekt und eine angemessene Anerkennung bekommen.“

Der FV als leuchtendes Beispiel. Bleibt zu hoffen, dass es auch an anderer Stelle beim Frauen- und Mädchenfussball voran geht.

Quelle: FV Mönchengladbach/ Marco Ketelaer

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