Foto: Heiko van der Velden
Es fehlten nur wenige Minuten zur großen Überraschung. Die SpVg Odenkirchen hat in der ersten Runde des Niederrheinpokals dem Regionalligisten VfB 03 Hilden alles abverlangt und musste sich erst nach 120 Minuten mit 1:2 geschlagen geben. Der Bezirksligist hatte dabei sogar eigene Möglichkeiten, die Partie für sich zu entscheiden.
Eine davon bot sich bereits früh Michael Bohnen. Nach einer Flanke von Jan Pflipsen köpfte der Odenkirchener Angreifer knapp am linken Pfosten vorbei. In der 33. Minute wurde es noch gefährlicher: Bohnen setzte sich nach einem langen Ball durch, überlupfte Hildens Torwart, schob den Ball aus spitzem Winkel anschließend aber knapp am Tor vorbei. Auch in der Verlängerung sorgte Bohnen für Gefahr. In der 104. Minute überlief er mehrere Hildener und zog mit letzter Kraft aus der Distanz ab. Der Ball ging nur knapp am linken Pfosten vorbei.
„Am Anfang waren wir noch ein bisschen frischer, da hatten wir vielleicht die eine oder andere Chance noch“, sagte Odenkirchens Trainer Simon Sommer. Danach habe sich die Aufgabe zunehmend auf das Verteidigen verlagert. „Da geht es um 90 Minuten verteidigen, Herz rein. Mehr als 90 Minuten.“
Genau das setzte seine Mannschaft eindrucksvoll um. Hilden hatte zwar mehr Ballbesitz, kam gegen die kompakte Odenkirchener Defensive aber nur selten zu klaren Möglichkeiten. Nach der torlosen ersten Hälfte ging der Regionalligist durch Phil Zimmermann in der 63. Minute in Führung. Odenkirchen antwortete zehn Minuten später: Nach einem Freistoß von Robin Wolf landete der Ball bei Jan Pflipsen, der aus der Distanz zum 1:1 traf.
Die Gastgeber hielten anschließend weiter dagegen und retteten sich in die Verlängerung. Dort wurde die Partie zunehmend zu einer Kraftprobe. Hilden erhöhte den Druck und kam immer wieder über Flanken und Standards. In der 109. Minute verhinderte Torhüter Paul Breitewischer mit einer starken Parade zunächst den erneuten Rückstand.
Fünf Minuten später war aber auch er machtlos. Nach einer Ecke kam Arton Tolaj zum Kopfball und erzielte das 2:1 für Hilden. Tolaj spielte in seiner Jugend unter anderem beim 1. FC Mönchengladbach in der A-Jugend und bei Borussia Mönchengladbach in der U16. Odenkirchen konnte in den verbleibenden Minuten nicht mehr ausgleichen.
Sommer blickte trotz des späten K.-o. mit großer Anerkennung auf die Leistung seiner Mannschaft. „Das ist Stolz“, sagte der Trainer. Hilden sei keineswegs mit einer besseren Reserve angetreten. „Es war auch schon ganz, ganz viel von der ersten Elf. Und dass unsere Jungs da so einen Fight liefern, ist natürlich sensationell. Da kriege ich Gänsehaut.“
Für Sommer war es zudem bemerkenswert, wie lange Odenkirchen mit dem Regionalligisten mithalten konnte. „Ich weiß nicht, wann das letzte Mal eine Mannschaft in einem Pflichtspiel gegen so ein Team so mitgehalten hat. Das war sensationell.“
Auch die Unterstützung von den Rängen habe der Mannschaft zusätzlichen Antrieb gegeben. Sommer habe sogar gesehen, dass Anhänger anderer Vereine mit Odenkirchen mitgefiebert hätten. „Das gibt uns natürlich Riesenkraft.“
Gleichzeitig erkannte der Trainer die Leistung des Gegners an. „Hilden macht es überragend. Auch in der Regionalliga, die machen einen Mega-Job.“ Vor allem die Standardsituationen seien eine große Herausforderung gewesen. „Irgendwann kriegst du es nicht mehr verteidigt.“
So entschied letztlich eine Standardsituation die Partie. Für Odenkirchen bleibt dennoch ein bemerkenswerter Pokalabend. Der Bezirksligist brachte den Regionalligisten über 120 Minuten an seine Grenzen und hatte mit Bohnen sogar mehrfach die Chance, selbst für die Überraschung zu sorgen. „Der Aufwand, den wir betrieben haben, der macht uns alle stolz“, sagte Sommer.
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