Ketelaers Erinnerungen an van der Kroft

Immer voll engagiert, Trainer Marco Ketelaer. Foto: SYFL

Nur die älteren Borussen Fans werden etwas mit dem Namen van der Kroft anfangen können. Trainer Marco Ketelaer weiß nur zu gut, was hinter diesem Namen steckt.

Es war das Viertelfinale des Europapokals der Landesmeister 1976, dem Vorläufer der heutigen Champions League. Borussia Mönchengladbach traf auf Real Madrid. Damals waren nur die Meister der teilnehmenden Nationen qualifiziert. Das Hinspiel endete 2:2, das Rückspiel fand in Estadio Bernabeu statt. Geleitet wurde eben dieses Spiel von dem niederländischen Schiedsrichter Van der Kroft. Die Borussia benötigte einen Sieg oder ein Unentschieden mit mehr als zwei eigenen Toren.
Die Borussia erzielte zwei reguläre Tore, die allerdings vom besagten Schiedsrichter unverständlicher Weise aberkannt wurden. Letztendlich trennten sich beide Klubs 1:1, was Real Madrid zum Weiterkommen reichte.

Nun widerfuhr den Shanghai Fohlen 50 Jahre später quasi das gleiche Schicksal. Im kleinen Finale der Shanghai Youth Football League erzielte das Team kurz vor Ende des Spiels einen regulären Treffer, aber auch hier rückte der Schiedsrichter in den Mittelpunkt, der das Tor wegen Handspiel aberkannte. Tatsächlich wurde das Tor aber für jeden erkennbar mit dem Fuß erzielt. Wieder einmal, wie bereits zuvor im Halbfinale, wurde das Team von Marco Ketelaer klar benachteiligt. Am Ende mussten sich die Shanghai Fohlen dann mit 4:5 geschlagen geben.

Ketelaer fühlte sich an die Zeiten der Siebziger erinnert, als die Borussia international ebenfalls mehrfach um den verdienten Lohn gebracht wurde:

„Ich selber habe als kleines Fohlen die glorreichen Zeiten der Borussia in den Siebzigern erlebt. Seinerzeit wurde der Mythos der Fohlen geboren und die Borussia begeisterte mit ihrem offensiven Spielstil. Ich als Jugendspieler bei der Borussia habe in dieser Zeit alles verfolgt, was meine Idole in dieser Zeit gemacht haben. So natürlich auch die Spiele im Europapokal. Dabei natürlich auch das Spiel im Bernabeu. Ich war damals sehr traurig als kleiner Junge. Was ich nun erlebe erinnert mich sehr stark an diese Zeit.

Wenn ich sehe, wie unsere Jungs spielen, das ist wie damals. Offensiv, mit viel Leidenschaft und Herz. Alles das wofür der Mythos Borussia steht. Mir tut es dann auch sehr weh, wenn so mit den Jungs umgegangen wird. Und sofort wurden bei mir Erinnerungen wach. An van der Kroft, Büchsenwurf und manches mehr. Es ist aber auch das was der Borussia viele Sympathien gebracht hat. Gleiches erlebe ich nun mehr auch in Shanghai. Unsere Jungs sind hier sehr beliebt.“

Zunächst herrschte natürlich Enttäuschung darüber, als Außenseiter des Final Four, dass der erhoffte große Coup nicht geglückt war. Aber letztendlich überwog dann doch der Stolz über das geleistete. Zum Trost blieb, dass der Kern dieser Mannschaft kurz vor der Titelverteidigung in der gleichen Altersklasse der Y-League steht. Nachdem knappen, aber verdienten Sieg im Topspiel, braucht das Team von Ketelaer in den beiden letzten Spielen nur noch einen Punkt.

„Wir blicken jetzt nach vorn und setzen alles daran, die Meisterschaft im nächsten Spiel fix zu machen. Dann können wir mehr als zufrieden in die wohlverdiente Sommerpause gehen“, setzt der Trainer schon das nächste Ziel.

Das weckt dann sicherlich schönere Erinnerungen bei dem Gladbacher, der die goldenen Jahre der Borussia hautnah erlebt hatte.

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