Foto: Heiko van der Velden
Als André Küppers im Januar die Verantwortlichen des SC Union Nettetal über seine Zukunft informierte, war die sportliche Ausgangslage noch offen. Die Qualifikation für die Niederrheinliga war keineswegs sicher, die Saison noch lang. Trotzdem stand seine Entscheidung bereits fest: Nach der Spielzeit würde er als Trainer der A-Junioren aufhören.
Nicht, weil er musste. Sondern weil er wollte.
„Irgendwann habe ich mir die Frage gestellt, ob es nicht vernünftig wäre, einfach mal nur eine Mannschaft zu machen“, sagt Küppers. Seit Jahren verbringt er einen Großteil seiner Freizeit auf Fußballplätzen. Zuletzt betreute er parallel die A-Jugend und unterstützte zudem die E-Jugend seines Sohnes. Drei- bis viermal pro Woche stand er von nachmittags bis in die Abendstunden auf dem Platz.
„Wenn du das über mehrere Jahre machst, ist das schon sehr anstrengend“, erklärt der Trainer. Die Familie habe seinen Entschluss begrüßt. Statt weiterer Aufgaben oder eines Engagements im Seniorenbereich entschied sich Küppers bewusst für einen Schritt zurück – und gleichzeitig für einen Schritt näher an die Familie.
Dass dieser Abschied nun mit einem sportlichen Erfolg verbunden ist, verleiht der Geschichte eine besondere Note. Mit einem überwiegend jungen Jahrgang führte Küppers die Mannschaft zur Qualifikation für die Niederrheinliga. Keine Selbstverständlichkeit, wie er selbst betont. Personelle Engpässe begleiteten die Saison immer wieder, dennoch entwickelte sich das Team kontinuierlich.
„Ich habe den Verantwortlichen gesagt, dass ich bis zum letzten Tag alles dafür geben werde, dass wir die Qualifikation schaffen“, sagt Küppers. Als das Ziel schließlich erreicht war, fiel auch bei ihm spürbar Druck ab. „Ich war wirklich froh, als das Ding geschafft war.“
Der Zeitpunkt seines Abschieds wirkt deshalb beinahe ideal. Küppers übergibt eine Mannschaft, die sich die Chance auf den Sprung in die Niederrheinliga erarbeitet hat, und ein Team, das über viel Potenzial verfügt. Das nächste Kapitel dieser Entwicklung schreibt nun sein Nachfolger.
Mit Graziano Ruggeri übernimmt ein Trainer, den die Verantwortlichen als Wunschlösung bezeichnen. Der Inhaber der B+-Lizenz war unter anderem für Bayer Uerdingen und den ASV Süchteln tätig und genießt den Ruf eines Ausbilders, der junge Spieler gezielt weiterentwickelt. Unterstützt wird er weiterhin von Oliver Jöbkes, der bereits zum Trainerteam gehört und auch künftig als Co-Trainer fungieren wird.
Ruggeri hat die Mannschaft bereits übernommen und wird sie durch die anstehenden Aufstiegsspiele zur Niederrheinliga führen. Küppers blickt dem gelassen entgegen. „Mit Graziano haben sie einen fähigen Nachfolger gefunden“, sagt er. Zugleich zeigt die Aussage, dass sein Abschied frei von Konflikten verläuft. Schon früh hatte er den Verein über seine Pläne informiert. Die Verantwortlichen hätten die Entscheidung zwar bedauert, seine Beweggründe aber nachvollziehen können.
Ganz verschwinden wird Küppers ohnehin nicht. Dem Verein bleibt er erhalten und wird sich künftig auf die E-Jugend konzentrieren, in der auch sein Sohn spielt.
Von Wehmut ist bei Küppers deshalb wenig zu spüren. Stattdessen überwiegt die Vorfreude auf ruhigere Abende. „Jetzt einfach mal wieder durchpusten zu können, das tut gut“, sagt er. Nach Jahren zwischen mehreren Mannschaften, Trainingsplätzen und Spieltagen steht nun eine bewusst getroffene Entscheidung für mehr Balance im Mittelpunkt.
So endet seine Zeit bei der A-Jugend nicht mit einem Bruch, sondern mit einem Erfolg. Die Qualifikation für die Niederrheinliga ist geschafft, die Mannschaft entwickelt und die Zukunft geregelt. Küppers geht nicht, weil etwas nicht funktioniert hat. Er geht, weil er den richtigen Zeitpunkt gekommen sieht. Im Amateurfußball ist das eher die Ausnahme als die Regel.
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