Kommentar: Wenn das Pokallos für den kleinen Verein zum Risiko wird

Archivfoto: Heiko van der Velden

Eigentlich sollte ein Heimspiel gegen einen höherklassigen Traditionsverein für einen Landesligisten ein Höhepunkt sein. Viele Zuschauer, eine besondere Atmosphäre und für die Spieler die Chance, sich vor großer Kulisse mit einem höherklassigen Gegner zu messen. Im Fall von VSF Amern gegen den KFC Uerdingen ist daraus jedoch nichts geworden. Das Spiel fällt aus, weil die Sicherheitsauflagen und die damit verbundenen organisatorischen und finanziellen Anforderungen für Amern nicht zu stemmen sind.

Natürlich muss die Sicherheit von Spielern, Schiedsrichtern, Helfern und Zuschauern immer an erster Stelle stehen. Darüber kann es keine Diskussion geben. Trotzdem sollte man darüber sprechen, wer am Ende die Konsequenzen eines als Risikospiel eingestuften Pokalspiels tragen muss.

Gerade bei Duellen eines kleinen Amateurvereins gegen einen höherklassigen Traditionsklub entsteht die besondere Sicherheitslage häufig nicht allein durch das Spiel an sich. Eine Rolle spielen können das deutlich größere Zuschauerinteresse, die Zahl der erwarteten Gästefans und mögliche Problemgruppen im Umfeld. Genau dadurch können Anforderungen an Fantrennung, Einlasskontrollen, Ordnungsdienst und Infrastruktur erheblich steigen.

Und an diesem Punkt erscheint die bisherige Vorgehensweise zumindest diskussionswürdig. Warum soll ein kleiner, ehrenamtlich geführter Verein plötzlich Voraussetzungen schaffen, die er für seinen normalen Spielbetrieb überhaupt nicht benötigt?

Eine mögliche Lösung wäre deshalb aus meiner Sicht klar: Stuft der Verband eine solche Begegnung als Risikospiel ein und kann der unterklassige Verein die dafür notwendigen Sicherheitsanforderungen auf seiner Anlage nicht erfüllen, sollte der höherklassige Verein direkt das Heimrecht zugesprochen bekommen.

Das wäre zwar bitter für den Amateurverein, der sich natürlich gerade auf ein großes Pokalspiel vor eigenem Publikum gefreut hat. Aber es wäre immer noch besser, die Partie beim höherklassigen Gegner auszutragen, als sie am Ende überhaupt nicht stattfinden zu lassen.

Hinzu kommt: Bei höherklassigen Vereinen sind häufig eher die infrastrukturellen Voraussetzungen für größere Zuschauerzahlen und umfangreichere Sicherheitsmaßnahmen vorhanden. Wenn das erhöhte Sicherheitsrisiko zudem wesentlich mit dem erwarteten Gästepublikum zusammenhängt, stellt sich erst recht die Frage, weshalb die organisatorische und finanzielle Hauptlast beim kleinen Gastgeber landen soll.

Auch andere Lösungen wären denkbar. Der Verband könnte ein geeignetes neutrales Ausweichstadion bestimmen und sich an den Mehrkosten beteiligen. Ebenso könnte es einen Fonds für außergewöhnliche Sicherheitskosten im Pokal geben. Denn zusätzliche Aufwendungen, die erst durch die Einstufung als Risikospiel entstehen, sollten nicht automatisch vollständig beim Amateurverein hängen bleiben.

Am Ende geht es um eine grundsätzliche Frage: Ein attraktives Pokallos sollte für einen kleinen Verein eine sportliche Belohnung sein und nicht zu einem unkalkulierbaren finanziellen Risiko werden.

Der Fall Amern könnte deshalb ein Anlass sein, die Regeln für solche Konstellationen grundsätzlich zu überdenken. Vielleicht braucht es eine einfache Regel: Kann der unterklassige Verein ein vom Verband als Risikospiel eingestuftes Pokalspiel aufgrund der notwendigen Sicherheitsanforderungen nicht auf seiner Anlage austragen, erhält der höherklassige Verein das Heimrecht. So würde wenigstens auf dem Fußballplatz entschieden, wer die nächste Runde erreicht.

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