Stürmende Shanghai Fohlen nicht belohnt. Foto: SYFL
Trainer Marco Ketelaer hat in seiner langen Zeit als Trainer schon eine Menge erlebt, aber auch er muss immer wieder neue Erfahrungen machen. So auch am vergangenen Wochenende beim Final Four der Shanghai Youth Football League.
Sein Team hatte sich überraschend als Außenseiter für das Halbfinale über die regulären Ligaspiele qualifiziert.
In diesem Halbfinale traf man auf den Ausrichter der Finalspiele. Bereits beim Ligaspiel musste Ketelaer miterleben wie seine Jungs gegen dieses Team benachteiligt wurde. Auch dieses Halbfinal-Spiel wird ihm in Erinnerung bleiben und das nicht nur wegen dem Gewitter und dem Starkregen, der das Spiel über andauerte.
Von Beginn an des Spiels waren die Shanghai Fohlen sozusagen auf Bertriebstemperatur. Zweikämpfe wurden leidenschaftlich angenommen und gewonnen, immer wieder wurden schnelle Konter vorgetragen und wenn mal etwas auf das Tor von Torhüter Hugo kam, glänzte dieser mit tollen Reflexen. Es war ein sehr enges Spiel und es wogte hin und her. Zur Pause blieb es trotz einiger Chancen auf beiden Seiten torlos.
Nach der Pause setzte sich die Partie zunächst so fort, aber je länger das Spiel dauerte umso mehr Vorteile verschafften sich die Schützlinge von Ketelaer. Größte Möglichkeit hatte Stürmer Joey, der aus kurzer Distanz nur am Innenpfosten scheiterte. Das führte zu entsetzten Gesichtern beim Gegner und den Organisatoren. Als es schon auf eine mögliche Verlängerung hinaus lief, dann der Moment, der nicht nur beim Gladbacher Trainer für Verärgerung sorgte.
Beim 5-gegen-5 Format werden Ausbälle als indirekter Freistoß von der Seitenlinie ausgeführt. Bedeutet, der Ball muss mindestens von einem weiteren Spieler berührt werden. Kurz vor Ende der regulären Spielzeit kam es zu einer solchen Situation. Der hoch hereingespielte Ball flog über den Borussen Torhüter hinweg ins Tor ohne das ein anderer den Ball berührt hatte. Folglich kein Tor, sondern Abstoß. Doch die Schiedsrichterin hatte offenbar eine ganz andere Wahrnehmung und entschied zur Überraschung aller auf Tor. Ketelaer intervenierte und forderte die Schiedsrichterin auf seinen Torhüter nach einer möglichen Ballberührung zu fragen. Diese ignorierte die Beanstandung und auch die Aussage des Torhüters, er habe den Ball nicht berührt, blieb ungehört. Als der kleine Torhüter zu dem darüber anfing zu weinen, sah sich der Trainer gezwungen die Schiedsrichterin hinsichtlich ihres Verhaltens zu rügen. Konsequenz: Ketelaer erhielt zum allerersten Mal überhaupt eine gelbe Karte als Trainer.
In den verbleibenden Minuten riskierten die Fohlen alles und mussten quasi mit dem Schlusspfiff einen zweiten Treffer hinnehmen. Damit war der Traum vom möglichen Finale vorbei. Trotz einer eindrucksvollen Leistung überwog zunächst die Enttäuschung.
Auch der Trainer musste nach dem Abpfiff das Geschehene erstmal verdauen: „Es ist eine absolute Ungerechtigkeit vor allem den Kindern gegenüber. Dabei haben die Verantwortlichen offenbar kein Gewissen. Bereits im Ligaspiel wurde das Match von Außen (durch die Organisatoren) beeinflusst und nun mehr im Halbfinale so eine Entscheidung zu treffen ist nicht akzeptabel und offenbart die Schattenseiten des chinesischen (Jugend) Fußballs“.
Dies ist eine weitere Erfahrung die Ketelaer machen musste. Nicht alle haben die gleichen Voraussetzungen. Ein reeller Wettbewerb findet nicht wirklich statt. Sieger und Besiegte stehen quasi meist schon fest, bevor es überhaupt losgeht. Im Vorteil, Klubs, die von öffentlicher Förderung profitieren. Die müssen gewinnen um die Sinnigkeit des Programms zu belegen. Niederlagen sind dahingehend unerwünscht. Vor allem, wenn ein Team wie die Borussia Academy, das bei weitem nicht solche Möglichkeiten wie andere Teams hat, auf einmal für Furore sorgt.
„Es gibt so viele tolle junge Fußballer hier und es steckt viel Potential im Jugendbereich, aber mit diesem System wird die Nachhaltigkeit der Fußballentwicklung hier ad absurdum geführt. Ob sich das ändert wage ich zu bezweifeln“ resümiert der Gladbacher.
Letztendlich blieb an diesem Tag „nur“ noch das Spiel um Platz 3, das allerdings kurz vor der Pause beim Stand von 1:1 aufgrund des stärker werdenden Gewitters und einem überfluteten Platz abgebrochen werden musste. Das Spiel wird am kommenden Sonntag fortgesetzt. Es bleibt zu hoffen, dass die Jungs von Trainer Ketelaer zumindest mit der Bronzemedaille für eine tolle Saison belohnt werden.





