Rückkehr eines Vertrauten: Netten übernimmt wieder in Mennrath

Foto: Heiko van der Velden

Der SC Victoria Mennrath setzt im Abstiegskampf auf einen bekannten Impuls: Simon Netten kehrt bis zum Saisonende auf die Trainerbank zurück und übernimmt für Marc Trostel. Auch Co-Trainer André Kreuels wurde freigestellt. Unterstützt wird Netten künftig vom spielenden Co-Trainer Maurice Passage sowie Rückkehrer Thomas Rohrbach. Fitnesstrainer Reinhardt Sindermann, im Verein als gute Seele bekannt, bleibt auch weiterhin an Bord.

Die Entscheidung traf die sportliche Leitung um Sascha Schmidt und Nasser El Aboussi, El Aboussi informierte Trostel anschließend telefonisch über den Schritt.

Die Maßnahme kommt nicht überraschend, wenn man die sportliche Entwicklung betrachtet. Mit 29 Punkten rangiert Mennrath auf Platz 13 der Landesliga, die Rückrunde verlief enttäuschend: Nur sechs Zähler aus neun Spielen. Besonders die jüngsten Ergebnisse gegen direkte Konkurrenten – das 1:1 beim abgeschlagenen Tabellenletzten VfB 03 Hilden, das 3:3 gegen den 1. FC Wülfrath sowie die 0:1-Niederlage beim SSV Bergisch Born – ließen die Verantwortlichen handeln.

„Wir wollten nichts unversucht lassen, um die Situation noch zu drehen“, sagt Sascha Schmidt aus der sportlichen Leitung. „Am Ende geht es darum, alles zu versuchen, um den Klassenerhalt zu schaffen.“

Die Wahl fiel bewusst auf einen alten Bekannten. „Simon kennt den Verein, er hat hier lange gearbeitet und bringt genau das mit, was wir jetzt brauchen“, sagt Schmidt. Gemeinsam mit Passage und Rohrbach bilde er ein Team, „das die Mennrather DNA hat und die Mannschaft auch emotional erreichen kann“.

Diesen Impuls soll nun Netten liefern – kein Unbekannter in Mennrath. Achteinhalb Jahre lang stand er bereits an der Seitenlinie, ehe er im vergangenen Sommer von Trostel abgelöst wurde. Nun kehrt er in einer schwierigen Phase zurück. „Damit habe ich nicht gerechnet, es kam sehr überraschend“, sagt Netten. „Aber wenn dein Verein anfragt, bei dem dein Herz hängt, dann hilfst du. Das war für mich keine lange Überlegung.“

Die Aufgabe ist klar umrissen: sieben Spiele, sieben Endspiele. „Jeder muss jetzt verstehen, worum es geht“, betont Netten. Gleichzeitig setzt er auf einen emotionalen Effekt: „Vielleicht bringt der Wechsel nochmal einen neuen Schwung.“

Dass er Verein und Mannschaft kennt, könnte dabei ein Vorteil sein. Mit Passage und Rohrbach stehen ihm zudem zwei Vertraute zur Seite, die die Strukturen ebenfalls bestens kennen. Die Hoffnung: schnell Stabilität gewinnen und die nötigen Punkte im Abstiegskampf holen.

Für Trostel hingegen kam das Aus unerwartet. „Verstehen kann ich es nicht, akzeptieren muss ich es“, sagt der scheidende Trainer. Zwar räumt er ein, dass die Ergebnisse zuletzt nicht den Erwartungen entsprochen hätten, sieht die Entwicklung aber differenzierter: „Bis auf das Spiel in Hilden haben wir vieles gut gemacht, oft hat auch ein Stück weit das Spielglück gefehlt.“

Kritisch sieht Trostel vor allem den Zeitpunkt und die Kommunikation. „Das kam für mich aus heiterem Himmel, es hat sich vorher nicht angedeutet“, so der Trainer. Ein persönliches Gespräch mit den Verantwortlichen, in dem die Entscheidung noch einmal detailliert aufgearbeitet werden soll, ist für die kommende Woche geplant. Dennoch betont Trostel, dass kein böses Blut bleibe und er die Zeit beim Verein positiv in Erinnerung behalte.

Viel Zeit bleibt Netten nicht, um Einfluss zu nehmen. Bereits am Donnerstag leitete er seine erste Einheit, ehe am Freitagabend direkt ein Härtetest ansteht: Tabellenführer 1. Spvg. Solingen-Wald gastiert in Mennrath. „Das ist ein Bonusspiel, wir haben nichts zu verlieren“, sagt Netten, „aber wir wissen, wie wir solche Spiele annehmen müssen.“

Die Hoffnung der Verantwortlichen ist klar: Dass der vertraute Name an der Seitenlinie noch einmal Kräfte freisetzt – und Mennrath den Klassenerhalt sichert.

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