Zwischen Leidenschaft und Belastungsgrenze – Der Amateurfußball im Kreis Viersen

Symbolfoto: Heiko van der Velden

Volle Sportplätze am Wochenende, leere Listen bei Schiedsrichtern und Ehrenamtlichen: Der Amateurfußball im Kreis Viersen lebt von großer Leidenschaft – steht aber zunehmend unter Druck. Ein Lagebericht über Probleme, Entwicklungen und warum der Fußball vor Ort trotzdem unverzichtbar bleibt.

Der Amateurfußball im Kreis Viersen und am Niederrhein lebt weiterhin von genau dem, was ihn seit Jahrzehnten ausmacht: Engagement, Ehrenamt und starker lokaler Identifikation. In Nettetal, Schwalmtal, Viersen, Grefrath oder Brüggen stehen Woche für Woche Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Helfer auf und neben dem Platz, organisieren Spieltage, pflegen Anlagen und halten den Spielbetrieb am Laufen. Doch hinter dieser beeindruckenden Konstanz wird die Belastung immer spürbarer. Vielerorts funktioniert der Spielbetrieb nur noch, weil sich einzelne Personen seit Jahren über ihre Grenzen hinaus engagieren.

Die Stimmung in den Vereinen ist deshalb zwiespältig. Einerseits ist die Liebe zum Spiel ungebrochen, andererseits wachsen die strukturellen Probleme. Besonders deutlich zeigt sich das beim Schiedsrichtermangel, der auch im Fußballkreis Viersen längst Alltag ist. Spiele werden schwieriger zu besetzen, Ansetzungen müssen verschoben oder mit Notlösungen gelöst werden. Der Druck auf die Unparteiischen ist gestiegen, der Respekt hat in manchen Fällen nachgelassen, und der zeitliche Aufwand schreckt viele potenzielle Neueinsteiger ab. Nachwuchs zu gewinnen, bleibt eine der größten Baustellen.

Ähnlich angespannt ist die Lage im Ehrenamt. Vorsitzende, Kassierer, Jugendleiter oder Platzwarte sind oft seit Jahren dieselben Personen. Die Aufgaben werden mehr, die bürokratischen Anforderungen steigen, doch die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, nimmt eher ab als zu. Auch in den Vereinen rund um Nettetal und Schwalmtal gilt: Ohne ein paar besonders engagierte Köpfe würde vielerorts deutlich weniger laufen. Auf Dauer ist dieses Modell jedoch schwer durchzuhalten.

Finanziell stehen viele Klubs ebenfalls unter Druck. Steigende Kosten für Energie, Platzpflege, Fahrten und Schiedsrichter treffen auf Sponsoren, die vorsichtiger geworden sind. Gleichzeitig sind viele Sportanlagen in die Jahre gekommen, und nicht jede Kommune kann notwendige Investitionen sofort stemmen. Die Unterschiede zwischen den Vereinen werden dadurch spürbarer – auch innerhalb derselben Liga.

Sportlich zeigt sich vor allem in den unteren Klassen ein bekanntes Bild. In der Kreisliga C und B kämpfen einige Teams mit Spielermangel, Spielgemeinschaften nehmen zu, und mancher Verein ist froh, überhaupt noch regelmäßig antreten zu können. In der Kreisliga A und darüber steigt dagegen der Leistungsdruck. Trainingsaufwand und Erwartungen wachsen, einzelne Vereine arbeiten bereits mit Strukturen, die an Halbprofitum erinnern. Während einige gezielt aufrüsten, treten andere sportlich auf der Stelle oder ziehen Teams zurück.

Der Jugendfußball bleibt die große Hoffnung, aber auch hier gibt es Herausforderungen. In den jüngeren Jahrgängen ist der Zulauf vielerorts noch ordentlich, doch es fehlt an Trainern und Betreuern. Der Übergang von der Jugend in den Seniorenbereich bleibt kritisch, und nicht wenige Spieler wechseln zu größeren Vereinen oder hören ganz auf. Gleichzeitig steigt in manchen Bereichen der Leistungsdruck früher, als es dem Breitensport guttun würde.

All das ist auch Ausdruck eines gesellschaftlichen Wandels. Bindungen werden lockerer, Freizeitangebote vielfältiger, und der Fußball konkurriert mit vielen Alternativen. Trotzdem bleibt der Amateurfußball im Kreis Viersen einer der wichtigsten sozialen Treffpunkte. Für viele Orte ist der Verein mehr als nur ein Sportanbieter – er ist Begegnungsstätte, Identifikationspunkt und Stück Heimat.

Trotz aller Probleme gibt es gute Gründe, nicht nur schwarz zu sehen. Derbys, Auf- und Abstiegskämpfe, Pokalabende und Last-Minute-Tore sorgen weiterhin für Emotionen, die näher dran sind als vieles im Profifußball. Neue Spielformen, Freizeit- und Ü-Mannschaften sowie mehr Sichtbarkeit durch soziale Medien und lokale Plattformen eröffnen zusätzliche Chancen. Viele Vereine werden vielleicht kleiner, aber zugleich klarer in ihrem Profil und strukturierter in ihrer Arbeit.

Unterm Strich steht der Amateurfußball in der Region nicht vor dem Kollaps, aber vor einer entscheidenden Phase. Ohne Entlastung des Ehrenamts, ohne neue Schiedsrichter und ohne pragmatischere Strukturen wird der Druck weiter wachsen. Gleichzeitig bleibt er das emotionale Rückgrat des Fußballs am Niederrhein: näher, ehrlicher und authentischer als jede Profiliga – und genau deshalb unverzichtbar für das sportliche und gesellschaftliche Leben vor Ort.

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